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Überblick
Das Nebennierenrindenkarzinom (NNR-Ca)
ist ein seltener hochmaligner Tumor mit schlechter Prognose. Die
jährliche Inzidenz des NNR-Ca liegt bei 1 – 2 Fällen auf 1 Mio.
Einwohner . Die klinische Erscheinungsbild wird bestimmt durch
die endokrine Aktivität des Tumors bzw. die Tumorgröße. Obgleich
eine endokrine Symptomatik nur bei ca. 60 % der Patienten
besteht, erweisen sich bei genauer biochemischer Diagnostik über
80 % aller Karzinome als endokrin aktiv. Die häufigste
endokrine Störung ist die autonome Glukokortikoidsekretion mit
Ausbildung eines Cushing-Syndroms, gefolgt von der gesteigerten
Androgenproduktion mit konsekutiver Virilisierung. Bei endokrin
inaktiven Tumoren führen in der Regel erst die Symptome der
lokalen Raumforderung zur Diagnosestellung. Dies hat zur Folge,
dass der Tumor häufig erst in einem bereits weit
fortgeschrittenen Stadium mit lokaler Invasion oder
Fernmetastasierung erkannt wird. Das NNR-Ca kann in jedem
Lebensalter auftreten. Die höchste Inzidenz wird in der vierten
und fünften Lebensdekade erreicht.
Diagnostik
Zunächst sollte eine ausführliche
hormonelle Diagnostik erfolgen, um
einen Hypercortisolismus (u.a. Dexamethason-Hemmtest und 24h
Sammelurin auf freies Cortisol), einen Sexualhormonexzess
(17-OH-Progesteron, Androstendion, DHEA-S, Testosteron,
17ß-Östradiol) oder einen Mineralokortikoidexzess (Kalium, Renin,
Aldosteron) auszuschließen. Ferner sollte zum Ausschluss eines
Phäochromozytoms eine 24h-Sammelurin-Messung auf Katecholamine
oder die Bestimmung der Plasma-Metanephrine erfolgen. Eine
Bildgebung mittels
Kontrastmittel-CT unter Messung der Hounsfield-Einheiten vor und
10 Minuten nach Kontrastmittelgabe sollte erfolgen. Alternativ
kann auch eine MR-Tomographie durchgeführt werden. Es sollte
jeweils das gesamte Abdomen und der Thorax erfasst sein. Eine
FDG-PET kann erwogen werden. Eine Feinnadelbiopsie ist nur im
Ausnahmefall sinnvoll und bedarf des vorherigen sicheren
Ausschlusses eines Phäochromozytoms.
Therapie
Die operative Therapie
mit der vollständigen Resektion des Primärtumors
steht im Vordergrund aller Stadien I-III. Hierbei sollte
in jedem Fall versucht werden, die Operation von einem
für diese Krankheit erfahrenen Operateur durchführen zu
lassen. Die Operation erfolgt stets als
offen-chirurgischer Eingriff (Laparatomie). Wegen der
hohen Rezidivrate wird in fast allen Fällen eine
adjuvante Therapie mit
Mitotane empfohlen. In Abhängigkeit von der
Tumorgröße, des Resektionsstatus, des histologischen
Befundes sollte eine
Tumorbettbestrahlung erwogen werden, da das
NNR-Ca entgegen anders lautender Berichte nicht als
strahlenresistent zu betrachten ist. Auch die Operation
von Metastasen sollte jeweils im Einzelfall diskutiert
werden.
Mitotane
(o,p’DDD)
ist die wichtigste Substanz in der medikamentösen
Therapie des NNR-Ca. Es handelt sich hierbei um eine vom
DDT abgeleitete adrenolytische Substanz, die erstmals
1959 klinisch eingesetzt wurde und selektiv
adrenotoxisch wirkt. Die Wirksamkeit von Mitotane
(Tabletten mit dem Handelsnamen Lysodren) beim NNR-Ca
ist variabel, dennoch sollte nach neuesten Erkenntnissen
in jedem Fall nach erfolgter Primäroperation eine
Mitotane-Therapie angestrebt werden. Wichtig ist
hierbei das Erreichen ausreichend hoher Blutspiegel. Für
eine Chemotherapie
sind eine Vielzahl von zytostatisch wirksamen Substanzen
mit unterschiedlichen Ansprechraten publiziert. Vielfach
liegen nur kasuistische Mitteilungen vor. Aktuell wird
entweder eine Kombination von Etoposid, Doxorubicin,
Cisplatin und Mitotane oder aber Streptozotocin und
Mitotane empfohlen. Prinzipiell ist anzustreben, dass
alle Patienten mit einem metastasierten NNR-Ca in die
sog. FIRM-ACT-Studie, die diese beiden Therapieregime
vergleicht, eingeschlossen werden.
Nachsorge
Bei jedem Patient sollte im weiteren
Verlauf alle 3 Monate eine Kontrolluntersuchung durchgeführt
werden, einschließlich Evaluierung des Hormonstatus als
Tumormarker und Durchführung einer Schnittbildgebung (CT/MRT)
von Thorax und Abdomen. Nach 2 Jahren Tumorfreiheit kann das
Intervall auf ein halbes Jahr erweitert werden, wegen der
häufigen Rezidive sollte dies aber für mindestens weitere 3
Jahre erfolgen.
Literatur zum
Nebennierenkarzinom
Allolio B, Fassnacht M. 2006
Adrenocortical carcinoma. Clinical update.
Hahner S, Fassnacht M. 2005
Mitotane for Adrenocortical Carcinoma Treatment.
Terzolo M, Angeli A, Fassnacht M. 2007
Adjuvant Mitotane Treatment for Adrenocortical Carcinoma.
Quinckler M et al.
Treatment of advanced adrenocortical carcinoma with erlotinib
plus gemcitabine.
Johanssen S et al.
Adrenocortical carcinoma - Diagnostic work-up and treatment.
Fassnacht M and Allolio B.
Clinical management of adrenocortical carcinoma.
Aktuelle Studien zum
Nebennierenkarzinom
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